3 Gründe, warum intermittierendes Fasten keine Lösung ist
- Marvin König

- 16. Feb. 2023
- 3 Min. Lesezeit
Noch nie habe ich mit so vielen Menschen gesprochen, die bereits intermittierendes Fasten ausprobiert haben (auch bekannt als "16-zu-8" oder die "Renegade-Diet"). Doch was ist dran am Hype um intermittierendes Fasten? Kurz und knapp für dich.

Wie funktioniert intermittierendes Fasten?
Es gibt verschiedene Gründe, weshalb intermittierendes Fasten hochgelobt wird. Ob zum Abnehmen, oder zur Steigerung des Energielevels bzw. der Konzentration. Intermittierendes fasten beschreibt eine Ernährungsform, in der man bewusst die Zeiten begrenzt, in denen man Nahrung (bzw. Kalorien) zu sich nimmt.
Einer der bekanntesten Formen ist das sogenannte "16-zu-8" Fasten. 16 Stunden Verzicht auf Essen, gefolgt von 8 Stunden Nahrungsaufnahme. Klingt hart? In der Praxis lässt man entweder das Frühstück oder das Abendessen weg. Hinzu kommt, dass man Nachts sowieso nichts isst (bzw. nichts essen sollte).
Nehme ich durch Fasten ab?
Kurzfristig ja. Indem man eine Mahlzeit auslässt verringert man in der Regel die insgesamt aufgenommenen Kalorien. Wer seine Kalorien reduziert, der verliert zunächst auch an Körpergewicht.
So viel zur Theorie... Was sagt die Praxis?
Zahlreiche meiner Kunden haben bereits zeitweise intermittierendes Fasten praktiziert. Die Resultate waren in der Regel enttäuschend. Zwar verliert man kurzfristig an Gewicht, doch relativ schnell stellt sich der "Jojo-Effekt" ein und die Kilos auf der Waage steigen. Woran liegt das?
1. Du kannst deinen Körper nicht austricksen
Die Theorie besagt, wenn man einfach eine Mahlzeit auslässt, nimmt man insgesamt weniger Kalorien zu sich. Und wer weniger Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, der nimmt automatisch ab. Pustekuchen!
Der Körper ist adaptiv und will überleben. Stoffwechsel und Hormone passen sich so an, dass sich der Körper die entbehrten Kalorien schnell wieder zurückholt. Das fehlende Frühstück wird durch ein üppiges und kalorienreiches Abendessen kompensiert. Und auch Stoffwechsel, Hunger-Hormone und Blutzuckerspiegel stellen sich auf die neue Situation ein und verhindern weiteres Abnehmen.
2. Es geht nicht darum, weniger zu essen - sondern das Richtige
Zwar sind wir in der westlichen Welt überversorgt mit Kalorien (überwiegend Kohlenhydrate und Fett) - jedoch unterversorgt mit richtigen Nährstoffen.
Ein Burger oder Donut liefert uns nichts als industrielle Fette, Weizen und Zucker. Wohingegen Gemüse eine Vitamin- und Nährstoff-Bombe ist - bei gleichzeitig wenig Kalorien.
Begrenzen wir also nun unser Zeitfenster in dem wir essen, schränken wir die Aufnahme wichtiger Nährstoffe ebenso ein. Die Auswahl der Lebensmittel hat einen direkten Einfluss auf unseren Hormonspiegel und unsere Stoffwechsel-Aktivität. Je schlechter wir mit wichtigen Nährstoffen (Vitaminen, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe) abgedeckt sind, umso schlechte funktioniert unser Stoffwechsel.
3. Wer auf Hochtouren fährt braucht Treibstoff
Dem Fasten wir nachgesagt, dass es dabei hilft, die Konzentration und das Energielevel (insbesondere in der ersten Tageshälfte) zu steigern. Grund dahinter ist der niedrige Blutzuckerspiegel. Ohne die Zufuhr von Nahrung (insbesondere Kohlenhydrate/Zucker), bleibt der Blutzuckerspiegel zunächst niedriger.
Der Effekt: Das sympathische Nervensystem (Sympathicus), der sogenannte "Fight-or-Flight-Mode" wird aktiv. Durch die Ausschüttung von Cortisol und Noradrenalin wird die Konzentration und das Energielevel gesteigert.
Doch Achtung: Die Antwort von intermittierendem Fasten auf den Blutzuckerspiegel ist unter anderem davon abhängig, wie unser Alltag aussieht. Wer bereits morgens von Meeting zu Meeting eilt, dem empfehle ich ein richtiges Frühstück. Wer beruflichen Stress hat, der braucht seinen Körper nicht zusätzlich zu stressen, indem er ihm das Frühstück wegnimmt.
Insbesondere bei körperlich oder geistig sehr anspruchsvoller Arbeit, neigt sich das Energielevel schnell dem Ende zu. Wer also tagsüber auf Hochtouren läuft, braucht richtigen Treibstoff.
Eine bessere Alternative zum Fasten
Ich empfehle meinen Personal Training Klienten zum Frühstück eine Kombination aus Proteinen und Fetten. Hochwertige Proteine zum Frühstück bewirken die Ausschüttung von Dopamin, was gleichzeitig die S
timmung hebt und die Konzentration fördert.
Durch die Kombination mit Fett wird der Blutzucker stabilisiert und du hast langfristig Energie für den Tag. So umgehst du den Hunger noch vor dem Mittagessen und vermiedest das "Nachmittags-Tief".
Kleiner Tipp (für alle Kaffee-Trinker): Frühstücke möglichst eine Stunde nach dem Aufstehen und verzögere deinen Koffein-Konsum auf nach dem Frühstück. Wieso? Das erfährst du in diesem BLOG-Artikel über Koffein.

Autor
Marvin König
Personal Trainer / Fitnessökonom
Gründer vom Corner Gym Oberursel



Hallo! Vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag. Ich muss sagen, du sprichst mir aus der Seele, besonders was die Gründe angeht, warum diese Methode nicht für jeden eine Wundermittel ist. Ich teile deine Gedanken oft mit Kollegen, und es ist erfrischend, hier eine ähnliche Perspektive zu finden. Deine Ausführungen haben mich auch an ein eigenes kleines Projekt erinnert, bei dem ich die Auswirkungen eines anderen Ansatzes beobachtet habe. Was mir besonders gefällt, ist die Betonung, dass solche Ansätze stark kontextabhängig sind. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen komplett ungeeignet sein, und das ist ein Punkt, der oft vergessen wird. Deine Analyse regt auch zum Nachdenken an: Wie wird sich diese ganze Thematik wohl weiterentwickeln? Man merkt…
Vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag! Ich muss sagen, ich habe intermittierendes Fasten selbst ausprobiert und war anfangs ziemlich begeistert von den Erfolgen. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr stimme ich Ihnen zu, dass es oft zu einfach dargestellt wird. Ihre Punkte zu den praktischen Schwierigkeiten und den psychologischen Aspekten sind besonders treffend. Ich erinnere mich, wie ich anfangs Schwierigkeiten hatte, mich an die Essenszeiten zu halten, besonders wenn unerwartete Termine auftauchten oder ich einfach Heißhunger bekam. Es ist eben nicht immer so einfach, wie es klingt. Diese Methode wird meiner Meinung nach viel zu oft als Allheilmittel verkauft, ohne die individuellen Unterschiede und Lebensumstände wirklich zu berücksichtigen. Die Idee, dass jeder damit automatisch abnimmt oder sich…
Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Beitrag! Ich muss sagen, ich bin wirklich beeindruckt von der Art und Weise, wie Sie das Thema intermittierendes Fasten beleuchten. Ihre Argumente sind gut durchdacht und regen zum Nachdenken an. Besonders der Punkt, dass es für manche Menschen einfach keine praktikable Lösung darstellt, hat mich sehr angesprochen. Als ich das las, musste ich sofort an mein eigenes Projekt denken, bei dem ich ebenfalls versucht habe, intermittierendes Fasten umzusetzen. Anfangs war ich voller Enthusiasmus und hatte das Gefühl, es sei der Schlüssel zu meinen Gesundheitszielen. Doch die Realität sah anders aus. Es gab Tage, da war es schlichtweg unmöglich, den Ernährungsplan einzuhalten, sei es wegen unerwarteter Termine oder einfach nur, weil der Hunger überhandnahm. Ich frage…
Ich muss sagen, ich war anfangs auch etwas skeptisch, als ich von intermittierendem Fasten hörte. Viele sprechen ja davon, aber es ist tatsächlich viel nuancierter, als man zunächst denkt. Dieser Beitrag hat mir wirklich die Augen geöffnet und die verschiedenen Aspekte beleuchtet, die man berücksichtigen muss. Ich bin wirklich beeindruckt von der Tiefe, mit der du das Thema angehst. Besonders gut hat mir gefallen, wie du die verschiedenen "Gründe" aufgeschlüsselt hast. Das regt zum Nachdenken an und zeigt, dass es nicht die eine universelle Antwort gibt. Ich frage mich nun, ob es denn auch Nachteile gibt, die vielleicht nicht so offensichtlich sind? Oder ist es wirklich so, dass die "Gründe" für manche Menschen einfach nicht zutreffen. Deine Ausführungen sind so…
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